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Setz- und Brutzeit - Information

von Alfred Pieber, Jagdaufsicht Hengsberg

Von Anfang März bis in den Spätsommer dauert die so genannte „Setz-, Brut- und Aufzuchtzeit“, in der die Wildtiere ihren Nachwuchs zur Welt bringen und aufziehen. In dieser Zeit stellt jede Beunruhigung, insbesondere freilaufende Hunde und Katzen, eine besondere Gefährdung für die Wildtiere und ihren Nachwuchs dar.

Viele Tier- und Naturschützer appellieren jedes Jahr an die Hundebesitzer und fordern sie auf, darauf Rücksicht zu nehmen und ihre Hunde ausschließlich an der Leine zu führen und auf den öffentlichen Wegen zu bleiben. Besondere Beunruhigungen für das Wild sind mit Spaziergängen und Ausflügen, mit oder ohne Hund, verbunden, die querfeldein und im Wald, abseits von Wegen und Straßen durchgeführt werden.

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Gerade an den sogenannten Randlinien, Übergängen zwischen Wald und Feld, an bewachsenen Uferbereichen und Feldrainen befinden sich die Kinderstuben unserer Wildtiere. Hasen und Rehe, aber auch unsere heimischen Vögel wie Fasane, Rebhühner und Enten, sowie eine Vielzahl von anderen Bodenbrütern bevorzugen solche Gebiete als ihren Lebensraum.

Ich gehe davon aus, dass alle Hundebesitzer, Spaziergänger, Wanderer und anderwärtige Naturnutzer auch Tier- und Naturfreunde sind und so sollten ihnen auch Wildtiere ganz besonders am Herzen liegen. In der Aufzuchtzeit ihrer Jungen befinden sich Wildtiere in einer sehr sensiblen Phase und jede Beunruhigung kann für sie fatale Folgen haben.

Werden Muttertiere aufgescheucht oder gehindert zu ihren Gelegen oder Jungen zurückzukehren wird dadurch die Brutzeit, auch wenn es oft nur für kurze Zeit ist, unterbrochen. Die Eier oder frisch geschlüpfte Küken können auskühlen und absterben. Kleine Wildtiere können nicht selbst für sich sorgen, sie müssen gesäugt und gepflegt werden. Ohne ihre Mutter sind sie schutzlos und für freilaufende Hunde und Katzen oder Raubwild und Raubvögel leichte Beute.

Sollten Sie scheinbar „verwaiste“ Junghasen oder Rehkitze finden, fassen Sie diese keinesfalls an, denn wenn dem Nachwuchs plötzlich menschlicher Geruch anhaftet, könnten die Elterntiere ihre Jungen verstoßen.

Bedenken Sie auch, dass durch den Siedlungsdruck, durch die zunehmende Nutzung der Natur für verschiedenste Freizeitaktivitäten und die intensive Bewirtschaftung der Land- und Forstwirtschaftlichen Flächen die Rückzugsgebiete der freilebenden Tiere immer kleiner und störanfälliger werden. Die Dämmerungszeit wird oft noch für Spaziergänge und sportliche Aktivitäten genutzt, gerade aber in diesen Stunden vor und nach der Dunkelheit, ist das Wild zur Nahrungsaufnahme unterwegs. Störungen in diesen Zeitspannen wirken sich besonders nachteilig für die Wildtiere aus.

Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Aufenthalt in der Natur, aber denken Sie auch daran, dass Sie sich im Wohnzimmer der hier lebenden Wildtiere befinden und ich ersuche Sie im Sinne einer angenehmen Symbiose um Rücksicht und Respekt. Für eventuelle Fragen stehe ich selbstverständlich jederzeit gerne zur Verfügung.